Erklärung

Die vierzehn Regeln, mit denen das Orakel aus Druck, Wetter und Live-Messungen eine Thermik-Vorhersage baut.

Die Walchensee-Thermik entsteht durch Hangheizung an den Südflanken von Herzogstand (1 731 m) und Jochberg (1 565 m). Erwärmt sich der Hang, steigt Luft auf und zieht kühle Luft aus dem Kochelsee-Becken (600 m) nach — komprimiert durch den Sattel zwischen den Gipfeln als Düseneffekt zum konsistenten N-bis-NNE-Wind. Die Grundformel: klare Nacht → starke Auskühlung → ungehinderter Morgensonnenschein auf den Hängen → Thermik ab Mittag. Das Orakel prüft 14 Bedingungen, die diesen Mechanismus begünstigen oder blockieren.

Ausführliche Hintergründe (Meteorologie, Schwellenwerte, Kalibrierung) im technischen Modell-Dokument auf GitHub. docs/thermal-model.md

Die 14 Regeln

Glossar

Kurze Erklärungen zu den Fachbegriffen, die in den Regeln und in der Tagesbegründung auftauchen.

Thermik (thermischer Wind)
Lokaler Wind, den die Sonne antreibt: Erwärmte Luft an den Hängen steigt auf, kühlere Luft strömt nach. Am Walchensee ergibt das den verlässlichen Nordwind, auf den Surfer und Kiter warten.
Hangheizung
Das Aufheizen der besonnten Berghänge durch die Sonne. Sie ist der Motor der Thermik — ohne Sonne auf den Hängen keine aufsteigende Luft.
Zündung (Thermik-Zündung)
Der Moment, in dem der thermische Wind einsetzt und kräftig genug zum Surfen wird (am Walchensee ab etwa 8 Knoten Mittelwind).
Knoten (kt)
Einheit für die Windgeschwindigkeit. 1 Knoten ≈ 1,85 km/h. Faustwerte: 8 kt ≈ 15 km/h, 11 kt ≈ 20 km/h.
Böe
Kurzzeitige Windspitze, deutlich stärker als der Mittelwind. Wichtig für Materialwahl und Gefühl auf dem Wasser.
hPa (Hektopascal)
Einheit für den Luftdruck. Die Vorhersage schaut weniger auf den absoluten Wert als auf die Differenz zwischen zwei Orten.
Druckgradient · Δ (Delta)
Die Luftdruck-Differenz zwischen zwei Orten (z. B. München − Innsbruck). Luft strömt vom hohen zum tiefen Druck — ein passender Gradient schiebt den Nordwind über die Alpen zum See. „Δ“ ist das Zeichen für diese Differenz.
Föhn
Warmer, kräftiger Südwind, der über den Alpenhauptkamm absinkt. Er bringt zwar Wind, verdrängt und zerstört aber die lokale Thermik. Erkennbar am Druckunterschied Bozen − Innsbruck.
Inversion
Eine Luftschicht, in der es nach oben wärmer statt kälter wird. Sie wirkt wie ein Deckel und bremst aufsteigende warme Luft — schlecht für die Thermik. Eine klare, kalte Nacht baut die nötige Abkühlung am Boden auf.
Taupunkt · Taupunkt-Abstand
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft gesättigt wäre. Der Abstand zur tatsächlichen Temperatur (T − Taupunkt) zeigt, wie trocken die Luft ist. Kleiner Abstand = feuchte Luft: Sonnenenergie verdunstet Wasser, statt die Luft zu erwärmen.
Sonneneinstrahlung (W/m²)
Wie viel Sonnenleistung pro Quadratmeter auf den Boden trifft (Watt pro Quadratmeter). Mehr Einstrahlung = stärkere Hangheizung.
Bodenfeuchte (m³/m³)
Wassergehalt des Bodens (Kubikmeter Wasser pro Kubikmeter Boden). Nasser Boden nach Regen heizt schlechter auf, weil die Sonnenenergie ins Verdunsten geht statt in die Erwärmung.
Grenzschicht (Grenzschichthöhe, BLH)
Die unterste, gut durchmischte Luftschicht über dem Boden. Je höher sie reicht, desto mehr Raum hat die Thermik nach oben. Eine flache Grenzschicht „deckelt“ den Wind. (Englisch boundary layer height, BLH.)
Lifted Index (LI)
Ein Maß für die Stabilität der Atmosphäre. Hohe positive Werte = sehr stabil, die Thermik wird gedeckelt. Stark negative Werte = labil, Gewittergefahr. Der ideale Bereich liegt dazwischen.
CAPE
„Convective Available Potential Energy“ — die Energie, die für aufsteigende Luft und Gewitter zur Verfügung steht. Wie der Lifted Index ein Stabilitätsmaß: viel CAPE bedeutet kräftige Aufwinde, aber auch Gewitterrisiko.
Höhenwind · 850 / 700 hPa
Statt in Metern werden Höhen oft als Druckflächen angegeben: 850 hPa entspricht etwa 1 500 m, 700 hPa etwa 3 000 m. Der Wind in diesen Höhen entscheidet, ob die Großwetterlage die bodennahe Thermik stört.
Querströmung
Wind in der Höhe, der quer zur Tal-Achse weht. Zu viel davon entkoppelt das Tal von der Höhe und stört die saubere Thermik.
Synoptik (synoptischer Wind)
Der Wind der großräumigen Wetterlage (Hochs und Tiefs), im Gegensatz zum lokalen Thermikwind. Ist er zu stark, überdeckt er die zarte Thermik.
Peirce-Score
Ein Treffer-Maß für die Vorhersage (Sensitivität + Spezifität − 1). 0 = nicht besser als Raten, 1 = perfekt. Mehr dazu auf der Statistik-Seite.